Unter allen heimischen Speisefischen gilt der frisch aus dem Rauch gezogene Räucheraal als Krönung des Heißräucherns. Durch seinen hohen natürlichen Fettgehalt von rund 20 bis 30 Prozent bleibt das feste, weiße Muskelfleisch beim Räuchern außergewöhnlich saftig und nimmt das milde Aroma von Buchen- und Erlenholz hervorragend an. Damit die dicke Haut beim Aal räuchern nicht ledrig oder rußig wird, sondern eine glänzende, goldbraune Farbe erhält und sich die Bauchlappen sauber öffnen, müssen vier Schritte exakt ineinandergreifen: das gründliche Entschleimen, die Salzlake, das Trocknen und die zweistufige Temperaturführung im Räucherofen.
1. Vorbereitung: Aal gründlich entschleimen und ausnehmen
Die Haut des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) ist von einer zähen natürlichen Schleimschicht überzogen. Bleibt dieser Schleim auf der Haut zurück, nimmt der Fisch die Salzlake ungleichmäßig auf, im Räucherofen bilden sich dunkle, bittere Flecken und das Rauchkondensat schlägt sich schmierig auf der Oberfläche nieder.
- Entschleimen mit grobem Salz oder Salmiakgeist: Reibe die ausgenommenen Aale kräftig mit grobem Meersalz (alternativ mit sauberem Sand oder nach traditioneller Fischerart kurz in einer stark verdünnten Lösung mit einem Esslöffel Speisesoda bzw. Salmiakgeist auf zehn Liter Wasser) ab und streife den gelösten Schleim mit dem Messerrücken oder einer festen Bürste vom Kopf bis zur Schwanzflosse ab, bis sich die Haut unter fließendem kaltem Wasser stumpf und griffig anfühlt.
- Bauchhöhle und Niere säubern: Beim Ausnehmen sollte der Bauchschnitt vom Weidloch bis etwa zwei Zentimeter hinter das Afterloch verlängert werden, damit die entlang der Mittelgräte verlaufende dunkle Blutbahn (Niere) restlos ausgekratzt und ausgespült werden kann. Blutreste würden beim Heißräuchern grau gerinnen und den Geschmack beeinträchtigen.
2. Die perfekte Salzlake für Räucheraal (Nasspökeln)
Für eine gleichmäßige Würzung bis an die Mittelgräte hat sich beim Aal das Nasssalzen in einer 6- bis 7-prozentigen Salzlake über Nacht bewährt. Trockensalzen entzieht der Haut zu rasch Feuchtigkeit und führt bei unterschiedlich dicken Aalen leicht zu versalzenen Schwanzstücken.
- Mischungsverhältnis der Lake: Löse 60 bis 70 Gramm reines Siedesalz oder Meersalz ohne Jod- und Rieselhilfsstoffe pro Liter kaltem Wasser vollständig auf. Auf ein Kilogramm vorbereitetes Aalgewicht rechnest du etwa 1,5 Liter Lake, sodass alle Fische frei schwimmen.
- Optionale Gewürze: Da der Eigengeschmack von Räucheraal und Buchenrauch im Vordergrund steht, genügen wenige zerstoßene schwarze Pfefferkörner, drei bis vier Wacholderbeeren und ein Lorbeerblatt, die zuvor in etwas Wasser kurz aufgekocht und abgekühlt zur Lake gegeben werden.
- Einlegezeit: Je nach Dicke der Aale (Schnürsenkel-Aale um 300 Gramm gegenüber starken Blankaalen von 600 bis 900 Gramm) ziehen die Fische bei 4 bis 7 Grad Celsius im Kühlschrank für 10 bis 12 Stunden in der Lake durch.
3. Aufziehen auf Räucherhaken und Trocknen vor dem Räuchern
Nach dem Herausnehmen aus der Salzlake spülst du die Aale kurz unter klarem, kaltem Wasser ab und tupfst sie innen wie außen mit Küchenkrepp trocken. Wegen des hohen Eigengewichts und des beim Garen weich werdenden Bindegewebes müssen Aale zwingend auf doppelspitzige Edelstahl-Räucherhaken (oder drehbare Aalhaken, die um die Wirbelsäule greifen) gehängt werden, damit kein Fisch während der heißen Garphase ins Feuer fällt.
Vor dem eigentlichen Räuchern folgt ein entscheidender Zwischenschritt: Hänge die Aale an einem schattigen, luftigen und vor Fliegen geschützten Ort (oder bei geöffneter Tür und 35 bis 40 Grad Umluft im vorgewärmten Räucherschrank) so lange zum Trocknen auf, bis sich die Haut trocken wie Pergamentpapier anfühlt. Nur auf trockener Haut entsteht später der typische goldgelbe Glanz.
4. Temperaturführung beim Heißräuchern: Garphase und Rauchphase
Das Heißräuchern des Aals gliedert sich in zwei klar getrennte Phasen:
- Phase 1 – Die Garphase (80 bis 90 °C für ca. 25 bis 40 Minuten): Die trockenen Aale werden in den auf rund 80 bis 90 Grad Celsius vorgeheizten Räucherofen gehängt, wobei der Rauchabzug oben zunächst leicht geöffnet bleibt, damit restliche Feuchtigkeit entweicht. In dieser Phase gart das Eiweiß und Keime werden sicher abgetötet (die Kerntemperatur an der dicksten Stelle am Rücken muss mindestens 65 bis 70 Grad erreichen). Dass der Aal gar ist, erkennst du an einem untrüglichen Zeichen: Die Bauchlappen spreizen sich von selbst weit nach außen auf und an der Oberfläche treten erste kleine Fettperlen aus. Ein kurzes Überschreiten von 95 Grad muss unbedingt vermieden werden, da das Fett sonst ausläuft und die Haut aufplatzt.
- Phase 2 – Die Räucherphase (50 bis 60 °C für ca. 60 bis 90 Minuten): Sobald sich die Bauchlappen geöffnet haben, wird die offene Flamme gelöscht und das Glutbett mit trockenem Buchen- und Erlenholzmehl (im Verhältnis 2:1) abgedeckt. Bei geschlossener Lüftungsklappe und dichtem, aromatischem Rauch sinkt die Temperatur im Ofen auf 50 bis 60 Grad Celsius. Über die nächsten 60 bis 90 Minuten veredelt der Rauch die Aale bis zum gewünschten goldbraunen Farbton.
Räucheraal prüfen, abkühlen lassen und lagern
Am Ende der Räucherzeit machst du die Rückenflossenprobe: Lässt sich die Rückenflosse ohne Widerstand aus dem Fleisch ziehen und gibt der Nacken hinter dem Kopf auf leichten Fingerdruck weich nach, ist der Räucheraal perfekt gegart. Lass die Aale im ausgeschalteten, leicht geöffneten Ofen auf Handwärme abkühlen, damit sich das flüssige Unterhautfett wieder im Muskelfleisch setzt. Lauwarm direkt aus dem Rauch oder nach einer Nacht im Kühlschrank in Pergamentpapier eingeschlagen entfaltet der Räucheraal sein volles Aroma.