Grillen im Winter: was bei Frost wirklich anders ist

Veröffentlicht am 7. Januar 2021

Grillen im Winter

Wer im Winter grillt, muss nicht anders grillen — aber anders rechnen. Das Fleisch braucht dieselbe Kerntemperatur wie im Juli, der Rost dieselbe Hitze. Was sich ändert, ist der Weg dorthin: Der Grill verliert ständig Wärme an die kalte Luft, die Vorheizzeit verdoppelt sich, der Gasverbrauch steigt spürbar. Und ein Bauteil fällt bei Frost schlicht aus, wenn man das falsche gekauft hat: die Gasflasche.

Grillen im Winter auf einen Blick

  • Propan, nicht Butan. Butan siedet bei etwa 0 °C und verdampft bei Frost nicht mehr. Propan siedet bei rund −42 °C und funktioniert den ganzen Winter.
  • Vorheizen dauert doppelt so lang: statt rund zehn Minuten eher 20 bis 30.
  • Mehr Verbrauch: Für dieselbe Menge Grillgut wird spürbar mehr Gas oder Kohle fällig.
  • Deckel zu. Jedes Öffnen kostet im Winter deutlich mehr Zeit als im Sommer.
  • Briketts statt loser Grillkohle — sie brennen gleichmäßiger und länger durch.
  • Die Kerntemperatur bleibt gleich. Nur die Zeit bis dahin wird länger. Thermometer statt Uhr.
  • Niemals in geschlossenen Räumen — nicht in der Garage, nicht im Partyzelt, nicht auf dem überdachten Balkon mit geschlossenen Seiten. Kohlenmonoxid ist geruchlos.
  • Fazit in einem Satz: Wintergrillen heißt Propanflasche, doppelte Vorheizzeit, geschlossener Deckel und ein Thermometer im Fleisch.

Die Gasflasche ist das eigentliche Winterproblem

In der Flasche ist das Gas flüssig. Es muss verdampfen, bevor es zum Brenner kommt — und ob es das tut, hängt am Siedepunkt. Butan siedet bei etwa 0 °C, Propan bei rund −42 °C. Das ist keine Frage der Qualität, sondern der Chemie: Eine Butanflasche liefert bei Frost keinen Druck mehr, der Brenner geht aus oder brennt nur noch kümmerlich. Eine Propanflasche stört das nicht.

In Deutschland sind die üblichen grauen Pfandflaschen für den Grill Propanflaschen; blaue Flaschen enthalten in der Regel Butan und sind für den Campingbereich gedacht. Ich bin hier unsicher und würde es an der Flasche selbst nachlesen: Die Farbcodes sind nicht überall gleich, und es gibt auch Propan-Butan-Gemische. Maßgeblich ist, was auf dem Flaschenetikett steht — dort ist der Inhalt bezeichnet.

Zwei Dinge helfen zusätzlich, auch mit Propan: Die Flasche nicht direkt auf den kalten Boden stellen, sondern auf ein Brett oder eine Styroporplatte — der Boden zieht Wärme aus der Flasche, und je kälter sie wird, desto schlechter verdampft das Gas. Und eine vollere Flasche liefert länger stabilen Druck als eine fast leere, weil beim Verdampfen Kälte entsteht, die eine kleine Restmenge schneller herunterkühlt.

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Wo die Flasche nicht hingehört: nicht in den Keller und nicht in Räume unter Erdgleiche. Flüssiggas ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden, statt abzuziehen. Die Einzelheiten regeln die Technischen Regeln Flüssiggas; Vermieter setzen zum Teil strengere Grenzen, ein Blick in die Hausordnung lohnt sich. Die Flasche bleibt im Winter also draußen, und dann gilt der Absatz oben: nicht auf den nackten Boden.

Vorheizen: aus zehn Minuten werden zwanzig bis dreißig

Der Grill heizt nicht nur das Grillgut, sondern auch sich selbst und die Luft unter dem Deckel. Bei 25 °C Außentemperatur ist das ein kleiner Posten, bei −5 °C ein großer. Für Gasgrills bewegen sich die Erfahrungswerte in dieser Größenordnung:

WasSommerWinter
Vorheizen bis Betriebstemperaturrund 10 Min.20–30 Min.
Gasverbrauch für dieselbe MengeBezugswertrund 20–30 % mehr
Zeitverlust je Deckelöffnunggeringdeutlich spürbar
Die Werte hängen stark vom Grillmodell, vom Wind und von der tatsächlichen Außentemperatur ab.

Der praktische Schluss daraus ist simpel: Wer im Winter grillt, fängt früher an und macht den Deckel seltener auf. Wind ist dabei der unterschätzte Faktor — er kühlt das Gehäuse schneller aus als die reine Lufttemperatur vermuten lässt. Ein windgeschützter Standort bringt mehr als jede Zusatzausstattung.

Holzkohle im Winter: Briketts statt loser Kohle

Holzkohle brennt schnell an, gibt viel Hitze und ist ebenso schnell wieder durch. Im Sommer reicht das für zwei Runden Steaks. Im Winter, wenn die Glut zusätzlich gegen die Kälte anarbeiten muss, ist sie oft vorbei, bevor der Braten fertig ist. Briketts brennen langsamer, gleichmäßiger und länger — das ist im Winter der ganze Unterschied.

Dazu drei Dinge, die im Sommer verzeihlich sind und im Winter nicht: Die Kohle muss trocken gelagert sein — feuchte Briketts zünden schlecht und rauchen. Der Anzündkamin ist bei Kälte kein Luxus, sondern der zuverlässigste Weg zu durchgeglühter Kohle. Und man sollte von Anfang an mehr auflegen, als der Sommerinstinkt sagt, statt später nachzulegen und dabei den Deckel zu öffnen.

Was sich nicht ändert: die Kerntemperatur

Das ist der Punkt, an dem im Winter die meisten Fehler passieren. Die Kerntemperatur ist eine Eigenschaft des Fleisches, nicht des Wetters. Ein Rinderrücken ist bei 56 °C medium — im Juli wie im Januar. Was sich ändert, ist ausschließlich die Zeit, die er braucht, um dorthin zu kommen.

Wer im Winter nach Uhrzeit grillt, produziert deshalb rohe Mitte oder verbrannte Außenseite. Ein Kerntemperaturfühler ist im Winter kein Zubehör, sondern das zentrale Werkzeug. Ideal ist ein Modell mit Außenanzeige oder Funk: Dann bleibt der Deckel zu, und genau darauf kommt es an.

Zwei Dinge, die man dabei einplanen sollte: Das Grillgut kommt im Winter kälter aus dem Kühlschrank in eine kältere Umgebung — es lohnt sich, größere Stücke rechtzeitig herauszunehmen. Und die Ruhezeit nach dem Grillen läuft draußen viel schneller ab; ein Steak, das zehn Minuten auf dem Brett liegt, ist bei Frost kalt. Vorgewärmte Teller sind kein Schnickschnack.

Sicherheit: der eine Punkt, bei dem es nicht um Komfort geht

Wenn es kalt ist, wandert der Grill näher ans Haus — unter die Markise, in die offene Garage, ins Partyzelt. Das ist der gefährlichste Fehler beim Wintergrillen. Kohlegrills und Gasgrills setzen bei der Verbrennung Kohlenmonoxid frei. Das Gas ist farb- und geruchlos, man merkt es nicht, und es sammelt sich in geschlossenen und halboffenen Räumen an.

Ein Grill gehört ins Freie, und zwar mit offener Luft nach oben und zu mindestens zwei Seiten. Eine Garage mit offenem Tor ist kein Freien. Ein Pavillon mit heruntergelassenen Seitenwänden auch nicht. Wer bei Regen oder Schnee trocken stehen will, braucht Abstand nach oben — kein Dach direkt über dem Deckel.

Wenn der Grill Winterpause macht: winterfest machen

Nicht jeder grillt im Januar. Wer den Grill über den Winter stehen lässt, sollte ihn nicht so stehen lassen, wie er nach dem letzten Grillabend aussah — Fettreste sind über Monate das eigentliche Problem, nicht die Kälte.

  1. Gründlich reinigen. Rost, Fettauffangschale und Innenraum. Eingebranntes Fett wird über den Winter ranzig und zieht Ungeziefer an.
  2. Trocknen lassen. Erst wenn alles wirklich trocken ist, kommt die Haube drauf — sonst schwitzt der Grill darunter.
  3. Gusseiserne Roste dünn einölen. Das ist der einfachste Rostschutz.
  4. Gasflasche abschrauben und getrennt vom Grill im Freien lagern, aufrecht und gegen Umfallen gesichert.
  5. Batterien aus der elektrischen Zündung nehmen. Ausgelaufene Batterien im Frühjahr sind ein vermeidbarer Ärger.
  6. Abdeckhaube ja, Plane nein. Eine atmungsaktive Haube lässt Feuchtigkeit entweichen; eine dichte Plastikplane schließt sie ein.

Und im Frühjahr, vor dem ersten Grillabend: Schläuche auf Risse ansehen, Anschlüsse auf Dichtheit prüfen (Lecksuchspray oder Seifenlauge, nie eine Flamme) und die Brenneröffnungen auf Verstopfungen kontrollieren. Spinnen und Insekten nisten sich mit Vorliebe in Brennerrohren ein.

Häufige Fragen zum Grillen im Winter

Kann man bei Minusgraden überhaupt grillen?

Ja. Es dauert länger und kostet mehr Brennstoff, aber es gibt keine Temperaturgrenze, ab der das Grillen aufhört zu funktionieren. Das einzige Bauteil, das bei Frost tatsächlich versagt, ist eine Butangasflasche.

Welche Gasflasche brauche ich im Winter?

Eine Propanflasche. Propan siedet bei rund −42 °C und verdampft deshalb auch bei starkem Frost. Butan siedet bei etwa 0 °C und liefert unterhalb davon keinen Druck mehr. Was in der Flasche ist, steht auf dem Etikett — die Farbe allein ist kein zuverlässiges Kennzeichen.

Wie viel länger dauert Grillen im Winter?

Das Vorheizen deutlich: statt rund zehn Minuten eher 20 bis 30. Die eigentliche Garzeit verlängert sich vor allem dann, wenn der Deckel häufig aufgeht. Verlässlich planen lässt sich das nicht nach Uhrzeit, sondern nur über die Kerntemperatur.

Ändert sich die Kerntemperatur im Winter?

Nein. Die Zieltemperatur im Fleisch ist unabhängig vom Wetter — nur der Weg dorthin dauert länger. Wer im Winter nach Zeit statt nach Temperatur grillt, liegt fast zwangsläufig daneben.

Darf der Grill in die Garage oder ins Partyzelt?

Nein. Bei der Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid — farb- und geruchlos und in geschlossenen oder halboffenen Räumen lebensgefährlich. Ein offenes Garagentor ändert daran nichts. Der Grill gehört ins Freie, mit freier Luft nach oben.

Holzkohle oder Gas im Winter?

Beides geht. Gas ist bequemer, weil die Temperatur nachregelbar ist und das Vorheizen nicht überwacht werden muss — vorausgesetzt, es ist Propan in der Flasche. Wer Kohle bevorzugt, sollte auf Briketts umsteigen und großzügiger dosieren als im Sommer.

Was passt im Winter auf den Rost?

Alles, was länger braucht und den Deckel ohnehin geschlossen hält: Braten, ganze Hähnchen und Enten, Rollbraten, Wurzelgemüse, Kürbis. Kurzgebratenes funktioniert auch, verlangt aber mehr Aufmerksamkeit, weil der Grill zwischen zwei Runden schneller abkühlt.

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